Ratgeber
Solaranlagen
Zeigt den CEO von Sunconnect Dieter Baumann
Dieter Baumann, CEO Sunconnect
16. Juli 2026
8 Min. Lesezeit

Erhöhen Solaranlagen die Brandgefahr am Gebäude?

Brandgefahr durch Solaranlagen? Der Sommer 2026 hat viele Hauseigentümer*innen aufgeschreckt. In den Medien häuften sich Berichte über Dachbrände an Gebäuden mit Solaranlagen, und in Beratungsgesprächen spüren wir das deutlich: Die Verunsicherung ist real. «Soll ich meine Anlage jetzt stilllegen?» oder «Hätte ich das wissen müssen?» sind Fragen, die uns dieser Tage oft erreichen.

 

Wir verstehen das. Und wir wollen ehrlich antworten, ohne Schönreden, aber auch ohne unnötige Panikmache. Denn was hinter den Schlagzeilen steckt, ist komplexer als es auf den ersten Blick scheint.

Die kurze Antwort lautet: Nein. Wenn die Anlage fachgerecht geplant, installiert und unterhalten wird, geht von ihr keine erhöhte Brandgefahr aus.

Was die Zahlen zur Brandgefahr wirklich sagen

Beginnen wir mit dem, was die Daten zeigen. Die Beratungsstelle für Brandverhütung (BFB) erfasst jährlich rund 8’600 Brandfälle an Gebäuden in der Schweiz. Bei jedem vierten liegt die Ursache in der Elektrizität. Solaranlagen tauchen darin als eigenständige Kategorie kaum auf.

Eine Gemeinschaftsstudie von TÜV Rheinland, dem Fraunhofer-Institut und der Berner Fachhochschule kommt zum Schluss: Nur in rund 0,006 % aller Anlagen kam es bislang zu einem Brand mit nennenswertem Schaden.

Richtig ist: Die absolute Zahl der Brände, bei denen Solaranlagen eine Rolle spielten, ist gestiegen. Die Vereinigung der kantonalen Gebäudeversicherungen (VKG) erklärt das schlicht mit dem enormen Zubau: Zwischen 2017 und 2025 hat sich die Zahl der PV-Anlagen in der Schweiz laut Swissolar auf über 350’000 verfünffacht. Die Rate bleibt konstant niedrig.

Und noch etwas, das im öffentlichen Diskurs oft untergeht: Wenn es an einem Gebäude mit Solaranlage brennt, war in vielen Fällen gar nicht die Anlage die Ursache. Philipp Zeier, Leiter Prävention bei der Gebäudeversicherung Luzern, bringt es im Tages-Anzeiger auf den Punkt: «Die Brände gehen selten von den Solarmodulen selbst aus, sondern entstehen an den Gebäuden, auf denen die Anlagen installiert sind.» Sichtbare Module auf dem Dach führen leicht zu einem vorschnellen Urteil, das zu Schlagzeilen führt, die das Bild verzerren.

Wo die tatsächlichen Risiken liegen

Solarmodule selbst sind selten das Problem. Wenn eine Anlage wirklich einen Brand verursacht, liegt die Ursache fast immer in der Elektrik und dort an ganz konkreten Schwachstellen:

  • Lichtbögen an schlechten Kontaktstellen: Lose Klemmen oder unsauber verbundene Steckverbinder erzeugen Übergangswiderstände. An diesen Stellen entstehen Hitze und im schlimmsten Fall ein Lichtbogen.
  • Gemischte Steckverbinder: Werden Stecker verschiedener Hersteller kombiniert, weil sie mechanisch zusammenpassen, ist die Kontaktqualität oft unzuverlässig. Das ist eine der häufigsten realen Brandursachen überhaupt.
  • Beschädigte Kabel: Scheuerstellen an scharfen Kanten, Feuchtigkeit oder Nagetierschäden können die Isolation angreifen.
  • Fehlerhafte Bauteile: Defekte in der Anschlussdose eines Moduls oder am Wechselrichter kommen vor, spielen statistisch aber eine untergeordnete Rolle.

Die Schlussfolgerung aller Studien ist eindeutig: Nicht das Prinzip der Photovoltaik ist gefährlich, sondern eine mangelhafte Ausführung. Installationsfehler stehen als Ursache klar an erster Stelle, gefolgt von Planungs- und Produktmängeln. Wieland Hintz, stellvertretender Geschäftsführer von Swissolar, fasst es im Tages-Anzeiger so zusammen: «Werden PV-Anlagen fachgerecht installiert, betrieben und unterhalten, kann das Risiko massgeblich minimiert werden.»

Vier stark verbrannte und deformierte DC-Steckverbinder einer Photovoltaikanlage auf weissem Untergrund. Die Kunststoffgehäuse sind geschmolzen und geschwärzt, die Metallkontakte korrodiert und teilweise freigelegt.

Diese Steckverbinder wurden bei einer Wartungskontrolle aus einer Solaranlage entnommen, bevor es zum Brandfall kam. Gut sichtbar: Die Kunststoffgehäuse sind vollständig zerstört, die Metallkontakte durch Hitze und Lichtbogenbildung korrodiert. Solche Schäden können dort entstehen, wo Stecker verschiedener Hersteller kombiniert oder Verbindungen nicht sorgfältig ausgeführt werden.

 

Warum sorgfältige Installation den Unterschied macht

Wenn menschliches Handwerk der wichtigste Faktor ist, liegt hier auch der grösste Hebel für Sicherheit. Genau deshalb ist es in der Schweiz nicht erlaubt, die elektrischen Arbeiten an einer netzgekoppelten Solaranlage selbst auszuführen.

Diese Arbeiten gehören zwingend in die Hände einer bewilligten Elektrofachperson. Am Ende steht ein Sicherheitsnachweis und eine unabhängige Kontrolle. Damit fallen genau jene Fehler weg, die in Ländern mit lockereren Regeln immer wieder zu Bränden führen: falsch gecrimpte Stecker, gemischte Komponenten aus günstigem Einkauf oder unterdimensionierte Kabel.

Bei Sunconnect bedeutet fachgerechte Installation konkret: herstellerreine Steckverbinder, drehmomentkontrollierte Klemmen, geprüfte Kabel mit Zugentlastung und ein sauberer Überspannungsschutz. Das sind keine Details am Rande, sondern das Fundament einer Anlage, die auch in Jahrzehnten noch sicher funktioniert.

Der besondere Fall: Indach- und Fassadenanlagen

Bei integrierten Anlagen, die direkt ins Dach oder in die Fassade eingebaut werden, ist die Hinterlüftung geringer als bei aufgeständerten Aufdachanlagen. Das erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Brand entsteht, kann aber beeinflussen, wie schnell er sich ausbreitet.

Der Grund liegt im Zwischenraum unter den Modulen. In diesem halbgeschlossenen Hohlraum kann sich ein Feuer deutlich schneller ausbreiten als auf einer offenen Dachfläche. Bei integrierten Anlagen kommt es deshalb besonders auf nichtbrennbare Unterkonstruktionen, ausreichende Abstände und eine durchdachte Planung an.

Für uns ist das kein Argument gegen Indach- oder Fassadenlösungen, sondern eines für sorgfältige Planung. Wer diese Systeme baut, muss den Brandschutz von Anfang an mitdenken. Genau das gehört zu unserem Handwerk.

Was in der Schweiz Pflicht ist

In der Schweiz ist der Brandschutz bei Solaranlagen klar geregelt. Massgebend ist das Brandschutzmerkblatt Solaranlagen der VKF, ergänzt durch das Stand-der-Technik-Papier von Swissolar. Daraus ergeben sich konkrete Pflichten:

  • Feuerwehrdokumentation: Eine Dokumentation mit dem Standort aller spannungsführenden Bauteile muss gut zugänglich hinterlegt sein, etwa beim Wechselrichter oder Hausanschlusskasten. Die Anlage wird in den Feuerwehreinsatzplänen erfasst.
  • Kennzeichnung des Gebäudes: Solaranlage und allfälliger Speicher werden am Hauseingang und im Technikraum gekennzeichnet, damit Einsatzkräfte sofort wissen, womit sie es zu tun haben.
  • Kennzeichnung der Komponenten: Spannungsführende Bauteile werden gemäss NIN 2020 mit Warnhinweisen versehen.

Diese Massnahmen kosten wenig, machen im Ernstfall aber einen grossen Unterschied. Wir kümmern uns bei jedem Projekt darum, dass diese Vorgaben vollständig und sauber umgesetzt sind.

Woran Sie einen geprüften Installateur erkennen

Ein verlässliches Merkmal ist das Label «Solarprofis» von Swissolar. Es erhalten ausschliesslich geprüfte Fachbetriebe, die die fachgerechte Planung und Realisierung von Solaranlagen nachweisen können.

Sunconnect trägt dieses Label seit Jahren. Für Sie bedeutet das: Sie arbeiten mit einem zertifizierten Partner zusammen, bei dem Brandschutz, Normkonformität und saubere Installation nicht Zufall sind, sondern zum Standard gehören.

Und wenn es doch einmal brennt?

Der hartnäckigste Mythos: Die Feuerwehr lösche ein Haus mit Solaranlage nicht. Das stimmt nicht. Für Einsatzkräfte gibt es klare Handlungsanweisungen im Umgang mit Photovoltaik.

Richtig ist: Eine Solaranlage lässt sich tagsüber nicht vollständig spannungsfrei schalten. Solange Licht auf die Module fällt, produzieren sie Strom. Die Feuerwehr arbeitet deshalb mit definierten Sicherheitsabständen und angepassten Löschtechniken. Bei einer Dachanlage stellt das in der Regel keine Hürde dar.

Genau hier zahlen sich Kennzeichnung und Feuerwehrdokumentation aus: Die Einsatzkräfte wissen im Ernstfall sofort, womit sie es zu tun haben.

Sicherheit entsteht durch Sorgfalt

Eine fachgerecht geplante und installierte Photovoltaik-Anlage erhöht die Brandgefahr am Gebäude nicht. Das Risiko liegt im Bereich normaler Elektroinstallationen. Wenn es doch zu Bränden kommt, ist fast immer eine mangelhafte Ausführung die Ursache, nicht die Technik selbst.

Die meisten Fehler kündigen sich durch Auffälligkeiten an, lange bevor sie gefährlich werden. Wer regelmässig hinschaut, sorgt für eine Anlage, die über Jahrzehnte zuverlässig und sicher Strom liefert.

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Was Sie gegen die Brandgefahr unternehmen können

 

Checkliste: Sie planen eine Anlage

  • Nur bewilligte Elektrofachpersonen beauftragen
  • Auf herstellerreine Steckverbinder bestehen
  • Überspannungsschutz einplanen lassen
  • Feuerwehrdokumentation und Kennzeichnung von Anfang an einfordern
  • Monitoring-System mitinstallieren lassen (Frühwarnung bei Abweichungen)
  • Installateur auf «Solarprofis»-Label und NIV 14 Bewilligung prüfen

Checkliste: Sie haben bereits eine Anlage

  • Wann wurde die Anlage zuletzt gewartet? (Empfehlung: alle 2–3 Jahre)
  • Liegt eine aktuelle Feuerwehrdokumentation vor?
  • Ist das Gebäude korrekt gekennzeichnet?
  • Gibt es ein aktives Monitoring, das Ertragsabweichungen meldet?
  • Wurde je eine Thermografie (Wärmebildkamera) durchgeführt?
  • Sind Kabel und Steckverbinder sichtbar unbeschädigt?

Haben Sie Fragen zum Brandschutz Ihrer bestehenden oder geplanten Anlage?

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Quellen: Beratungsstelle für Brandverhütung BFB · Swissolar – Brandschutz · VKF Brandschutzmerkblatt Solaranlagen · TÜV Rheinland / Fraunhofer ISE / Berner Fachhochschule (Gemeinschaftsstudie) · RWTH Aachen, Studie Brandrisikobewertung PV-Anlagen, 2024 · Claudia Gnehm, «Solaranlagen können bei grosser Hitze Feuer fangen», Tages-Anzeiger, 09.07.2026